{"id":1771,"date":"2021-11-17T13:47:00","date_gmt":"2021-11-17T12:47:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gruene-bergedorf.de\/?p=1771"},"modified":"2025-10-04T13:49:32","modified_gmt":"2025-10-04T11:49:32","slug":"gedanken-zum-volkstrauertag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gruene-bergedorf.de\/index.php\/2021\/11\/17\/gedanken-zum-volkstrauertag\/","title":{"rendered":"Gedanken zum Volkstrauertag"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Gedenkrede zum Volkstrauertag bei der diesj\u00e4hrigen Gedenkfeier auf dem Bergedorfer Friedhof hat Lenka A. Brodbeck gehalten, aus Prag stammende Abgeordnete der GR\u00dcNEN Bezirksfraktion und stellvertretende Vorsitzende der Bezirksversammlung Bergedorf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\u00a0<strong><strong>Gedenkrede<\/strong>\u00a0zum Volkstrauertag<\/strong>\u00a0bei der diesj\u00e4hrigen Gedenkfeier auf dem Bergedorfer Friedhof hat\u00a0<strong><strong>Lenka<\/strong><a href=\"https:\/\/archiv.gruene-bergedorf.de\/fraktionsmitglieder\/lenka-brodbeck\"><strong> <\/strong><\/a><strong>A<\/strong><a href=\"https:\/\/archiv.gruene-bergedorf.de\/fraktionsmitglieder\/lenka-brodbeck\"><strong>. <\/strong><\/a><strong>Brodbeck<\/strong><\/strong>\u00a0gehalten, aus Prag stammende Abgeordnete der GR\u00dcNEN Bezirksfraktion und stellvertretende Vorsitzende der Bezirksversammlung Bergedorf.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der deutsche Soldat ist in vielen Teilen Europas eine negative Figur verbunden mit Angst.<\/em><br><em>Bis heute wird dies Stereotyp in Filmen ausgenutzt. Die erzeugte Atmosph\u00e4re ist meistens d\u00fcster, entmenschlicht, b\u00f6se.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>In der Erinnerungskultur vieler Nationen Europas werden als Helden diejenigen gefeiert, die sich der Wehrmacht entgegenstellten, ihren Gr\u00e4ueltaten entflohen oder, wenn es nicht anders gelang, als ihre Opfer gefallen sind. Verschwundene D\u00f6rfer, verschollene Leben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das vereinte Europa lebt noch heute vielerorts unter einem vorsichtigen Vorbehalt gegen\u00fcber den deutschen Interessen. Noch sind Generationen mit direkten Erz\u00e4hlungen dar\u00fcber, wie es damals, als die Wehrmacht einmarschierte, war, erwachsen geworden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>In drei Tagen, am 17.11, feiern wir den internationalen Studententag.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Am 17.11.1939, wurde in der sog. Sonderaktion Prag im von der Wehrmacht besetzten Protektorat B\u00f6hmen und M\u00e4hren die Prager Universit\u00e4t \u2013 \u00fcbrigens die erste deutsche Universit\u00e4t Europas \u2013 gest\u00fcrmt und ca. 1200 Studenten wurden in Konzentrationslager gebracht. 9 wurden noch am Abend des Tages standrechtlich erschossen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>In Prag an einem Geb\u00e4ude der Karlsuniversit\u00e4t steht auf einer Gedenktafel im Zusammenhang mit dem internationalen Studententag das Motto: Kdy \u2013 kdy\u017e ne te\u010f? Kdo \u2013 kdy\u017e ne my? \u2013 Wann \u2013 wenn nicht jetzt? Wer \u2013 wenn nicht wir?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Erst als ich begriffen habe, dass meine binationalen Kinder Nachkommen derjenigen Menschen sind, die in Frankreich oder an der Ostfront k\u00e4mpften, lie\u00df ich zu, hinter dem deutschen Soldat nicht nur den K\u00e4mpfer eines Unrechtsregimes, sondern auch einfach einen Mensch zu sehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Viele der M\u00e4nner, die damals durch Europa zogen, waren jung und haben gewiss schnell begriffen, dass Krieg kein Abendteuer ist. Um es mit Worten des tschechischen S\u00e4nger Karl Kryl zu sagen, der in Westberlin Asyl vor dem kommunistischen Regime fand: Denkt ihr, Sie wollten sterben?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Viele haben den Krieg sicherlich gehasst.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Es liegt gleichzeitig auf der Hand, dass den Mut, den die tschechischen Studenten aufgebracht haben, n\u00e4mlich gegen das Unrechtsregime zu protestieren, und f\u00fcr den 9 von Ihnen unmittelbar mit dem Leben bezahlten und 1200 weitere ins Konzentrationslager kamen, \u2013 dass diesen Mut, sich aufzulehnen, auch jeder einzelne Wehrmachtssoldat h\u00e4tte aufbringen k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Denn es ist zwar immer, und bleibt f\u00fcr immer, eine Herausforderung sich dem System zu widersetzen, auf dessen Boden man\/frau steht. Es bleibt aber f\u00fcr immer auch eine Notwendigkeit dies zu k\u00f6nnen. Denn Wann \u2013 wenn nicht jetzt? Wer \u2013 wenn nicht wir?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir sollten also vielleicht versuchen, gemeinsam aus der Situation der deutschen Soldaten des Dritten Reichs zu lernen: wie schwer es sein kann, in einer konkreten Situation zwischen zwei Handlungsoptionen zu w\u00e4hlen, die absehbar beide einen hohen Preis haben \u2013 mitzumachen oder sich zu widersetzen. Wir sollten dabei aber nie vergessen, dass das Mitmachen keine Heldentat ist, die eines Heldengedenkens w\u00fcrdig w\u00e4re; auch dann nicht, wenn Menschen beim Mitmachen pers\u00f6nliches Leid erfahren oder gar ihr Leben verloren haben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich m\u00f6chte heute besonders diejenigen w\u00fcrdigen, die desertierten, die aufgaben, die fl\u00fcchteten, die sabotierten oder gar den Freitod w\u00e4hlten. Die Kollaborateure des Friedens, die Zivilisten versteckten, die Kinder nicht verrieten, die Frauen retteten oder gar mit einem Feind Freundschaft schlossen. Diejenigen, die den Krieg hassten und um jeden Preis versuchten, das Gute im Mensch, seine F\u00fcrsorge, Liebe, Br\u00fcder- und Schwesterlichkeit zu bewahren, zu leben \u2013 nicht aufzugeben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Denn Wann \u2013 wenn nicht jetzt? Wer \u2013 wenn nicht wir?<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gedenkrede zum Volkstrauertag bei der diesj\u00e4hrigen Gedenkfeier auf dem Bergedorfer Friedhof hat Lenka A. Brodbeck gehalten, aus Prag stammende Abgeordnete der GR\u00dcNEN Bezirksfraktion und stellvertretende Vorsitzende der Bezirksversammlung Bergedorf. 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