Keine Alternative zum Abschuss? Wie Nutrias sich tiergerecht und kostengünstig begrenzen lassen

Bergedorfs Grüne fordern Sterilisationen statt Abschuss von Nutrias. Ihr Antrag zur tiergerechten Reduzierung der Nutria-Population wurde einstimmig auf dem Landesparteitag angenommen 

Da sich die Nutria-Bestände in einigen Regionen stark vermehrt haben, gelten sie in Deutschland seit 2017 als invasive Art. Die derzeitige Praxis der Reduzierung der Bestände in vielen Regionen Deutschlands, auch in Hamburg, setzt auf Abschuss. Doch Studien zeigen ein klares Bild: Der Abschuss führt bei Nutrias nicht zu einer nachhaltigen Reduzierung der Population – im Gegenteil. Durch sogenannte kompensatorische Reproduktion steigen Geburtenraten in dezimierten Beständen oft an. Das bedeutet: Wir investieren Ressourcen in Maßnahmen, die ihr Ziel verfehlen oder sogar das Gegenteil bewirken.

Dem gegenüber steht die Sterilisation als nicht-letale Methode. Sie greift direkt in die Fortpflanzung ein und kann Populationen langfristig stabilisieren und reduzieren – ohne das Leid und die ethischen Konflikte, die mit der Tötung einhergehen. Auch wirtschaftlich lohnt sich ein genauerer Blick: Die Sterilisation eines Nutrias kostet im Schnitt etwa 10 Euro. Demgegenüber steht eine aktuelle Schwanzprämie von rund 14 Euro pro Tier. Hinzu kommen die Kosten für Tausende Euro teure Lebendfallen, die bereits angeschafft wurden – diese sind in der bisherigen Rechnung oft noch nicht einmal vollständig berücksichtigt. Wir geben also mehr Geld für eine ineffektive Maßnahme aus, als für eine nachhaltige Lösung nötig wäre. 

Dazu Vanessa Haloui von Looki e.V..  Die Stationsleiterin der Wildtierstation betreut in ihren Gehegen verletzte Nutrias und hat bei den Grünen Bergedorf den Antrag zur tiergerechten Reduzierung der Population eingebracht: „Über Nutrias wird derzeit viel diskutiert, oft aufgrund falscher Annahmen. Es wird behauptet, dass Nutrias Deiche beschädigen und damit eine Gefahr für den Hochwasserschutz darstellen. Doch kommt ein Gutachten, das die Hamburger Naturschutzbehörde bei der Lewantana in Auftrag gegeben hat,  zu einem anderen Ergebnis. Es gibt keinen einzigen nachgewiesenen Schaden an Hamburger Deichen durch Nutrias. Sie sind Tiere stehender oder ruhiger Gewässer. In der Elbe kommen sie – wenn überhaupt – nur in beruhigten Buchten vor. Die starke Strömung, verstärkt durch die Elbvertiefung, macht das Hauptfahrwasser für sie ungeeignet und sogar lebensgefährlich. Außerdem wird gern behauptet, Nutria hätten keine natürlichen Feinde. Auch das hält einer sachlichen Betrachtung nicht stand. Jungtiere werden von Greifvögeln erbeutet und in Gewässernähe auch von Reihern. Selbst größere Tiere können potenziell Beute von Wölfen und Füchsen werden.

Am Ende bleibt eine grundlegende Frage: Wie gehen wir als Gesellschaft mit fühlenden Lebewesen um? Es gibt keine zwingende Grundlage für die Tötung dieser Tiere – weder ökologisch noch sicherheitspolitisch in Hamburg. Und wir sind ethisch und moralisch verpflichtet, Alternativen zu wählen. Genau das sieht auch das europäische Recht vor: Nicht-letale Maßnahmen haben Vorrang. Die Tötung darf nur das letzte Mittel sein – nicht das erste. Sterilisation ist ein sinnvoller, verhältnismäßiger und zukunftsorientierter Ansatz. Sie verbindet Wirksamkeit mit Verantwortung.“

Der ausführliche Antrag der Grünen Bergedorf:https://gruene-bergedorf.de/index.php/partei/beschluesse/bestand-von-nutrias-tiergerecht-reduzieren