Raus aus den Komfortzonen und die Soziokultur in Hamburgs äußerer Stadt stärken

Die Grünen Bergedorf fordern die Grünen Mitglieder des Senats und die Hamburger Bürgerschaft dazu auf, die bezirklichen Mittel für das sozio-kulturelle Angebot der Menschen in Stadtteilen wie Neuallermöhe deutlich zu erhöhen. Auf ihrer Kreismitgliederversammlung am 12. Oktober 2026 haben die Grünen Bergedorf dazu einen Antrag beschlossen, der auf dem Landesparteitag der Hamburger Grünen am 21. November 2026 eingereicht wird. 

„Der Hamburger Stadtkern ist urban, strahlt Vielfalt und Offenheit aus, aber die Stadtränder färben sich dunkler. Die AfD ist in Hamburg vor allem dort stark, wo größere Neubau- und Sozialwohnungsgebiete am Stadtrand liegen, wie in Bergedorf, Harburg, Teilen von Wandsbek und Mitte“, sagt Anke Bendt-Soetedjo, Grüne Bezirksabgeordnete und Sprecherin für Kultur. 

Neuallermöhe ist ein junger Stadtteil und gilt als besonders familienfreundlich. Entsprechend hoch ist der Anteil der Unter-18-Jährigen im Vergleich zu älteren, etablierten Stadtteilen. Es ist ein grüner, multikultureller und moderner Stadtteil und leider auch jener mit den höchsten Zustimmungswerten für die AfD. Die AfD ist in Neuallermöhe von einem Nischenphänomen (2020/2021 jeweils im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich) innerhalb weniger Jahre zur stärksten Partei aufgestiegen – bei der Bundestagswahl 2025 mit 28 % (in Teilen über 40 %), bei der Bürgerschaftswahl 2025 mit rund 13 % auf Bezirksebene, aber ebenfalls mit Spitzenwerten über 40 % in einzelnen Wahllokalen.

Anke Bendt-Soetedjo dazu: „Wenn wir also jene erreichen wollen, die an den rechten Rand politisch verloren gehen könnten, müssen wir aus der Komfortzone heraus und aus den Stadtteilen heraus denken und argumentieren.“ 

Den über 20 000 Neuallermöher*innen steht ein sehr überschaubares sozio-kulturelles Angebot zur Verfügung. Es gibt engagierte Menschen in Sportvereinen, der Stadtteilkonferenz und auch den Bürgerhäusern, aber oft fehlen Mittel für Projektideen. Die Bergedorfer Bezirksversammlung ist bereit, vieles zu ermöglichen, aber die Mitteln sind begrenzt. Konkret ist der Bergedorfer Quartierfondskonsumtiv für das Jahr 2027 bereits mit über 100 Tsd Euro überzeichnet – bei einem Gesamtvolumen von 1 272 000 Euro. Da die Finanzierung von Bürgerhäusern, Vereinen und Integrationsprojekten sowie nötiger Badeaufsicht an öffentlichen Gewässern davon bestritten werden, sind die Spielräume gering. Der über die Jahre abgesenkte Etat für Kulturmittel liegt aktuell bei 56 Tsd Euro – Anträge liegen im Bereich der doppelten Höhe vor.

Dem Argument, die Haushaltslage sei angespannt und eine Erhöhung der Bezirksmittel nicht möglich, sei ein Beispiel aus dem aktuellen Haushalt entgegen gestellt: Nur für den laufenden Betrieb der Hamburger Oper (also Zuwendungen für die Staatsoper GmbH und den Landesbetrieb Philharmonisches Staatsorchester) gibt die Stadt jährlich knapp 90 Mio. Euro aus.1 Das umfasst noch keine Projektförderungen, keine Nachbewilligungen für Defizite, keine Investitionen, nicht den geplanten Neubau oder die Instandsetzung. 90 Mio. Euro für einen Betrieb, der sicher wichtig für die Stadt ist, aber auch verlustreich, obwohl die Tickets schon umfassend subventioniert sind. Da aktuell offenkundig das Geld für die Breite fehlt, sollte kritisch hinterfragt werden, wieso ein Betrieb, der es nicht schafft, finanziell sichere Publikumsrelevanz zu erzeugen, derartig viele Mittel zieht. Diese Ausmaße an Förderung, kritisch zu hinterfragen ist demokratisch angezeigt.

„Solange Stadtteilkultur um vergleichsweise kleine Budgets kämpfen muss, während für die Oper jährlich rund 90 Millionen Euro bereitstehen, bleibt der Anspruch einer demokratischen und sozial gerechten Kulturförderung uneingelöst“, sagt Anke Bendt-Soetedjo. 

Quellen: 

1 https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/1024392/76b9ffb91466e53192f4bbfa8d15a-370/25-26-ep-3-3-data.pdf

Der Antrag der Bergedorfer Grünen: https://gruene-bergedorf.de/partei/beschluesse/investitionen-in-die-soziokultur-in-hamburgs-aeusserer-stadt-jetzt-staerken/

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